Am 1. Advent 2020

Ich war zum 1. Advent mit einer Kerze an einem Wildbach im Wald gewesen, in einem abgeschiedenen Tal bei Rothenburg ob der Tauber. Und hatte vor, dort auch ein Lagerfeuer schüren, doch dann überkam mich ein anderer Impuls – ich wollte das Adventslicht, die Kerze weitergeben, mit jemand teilen. 

Und mir fiel ein Soldatengrab ein, etwa 20 km entfernt von wo ich war. Es liegt unscheinbar an einer Landstraße. Für einen am 15. April 1945 mit 17 Jahren dort gefallenen deutschen Soldaten aus Kärnten.

Auf einer kleinen Tafel neben dem Grab steht geschrieben: 

15. April 1945

Nach mündlicher Überlieferung war

GEBIRGSJÄGER KONRAD TREIBER

zusammen  mit einem Kameraden im Graben hier vor der Eisenbahnböschung in Stellung gegangen gegen die vom Fuchsenberg heranrückenden amerikanischen Soldaten.Ein amerikanischer Scharfschütze traf Konrad Treiber, der mit einem Kopfschuß sofort tot war. Sein Kamerad wurde verwundet und zur Behandlung in das Haus von Hans Klemm gleich hier im Ort gebracht.

Er wurde dort gepflegt, erholte sich und konnte nach Kriegsende gesund in seine Heimat Kärnten zurückkehren.Konrad Treiber war vor seiner Einberufung zur deutschen Wehrmacht in einer Lehrerbildungsanstalt in Kärnten.

Der Soldatentot von Konrad Treiber aus Kärnten, der hier an dieser Stelle im Alter von noch nicht einmal 17 ½ Jahren – wenige Tage vor Kriegsende – sein Leben lassen mußte, ist ein trauriges Beispiel für die Sinnlosigkeit des Krieges.

Nach Kriegsende wurden die sterblichen Überreste von Konrad Treiber vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach Treuchtlingen in den dortigen Soldatenfriedhof umgebettet, wo er im Kreise seiner toten Kameraden die ewige Ruhe fand.

Das Grab von Konrad Treiber hier am Ortseingang von Steinbach bei Rothenburg o.d.T. wird von Mitgliedern und Freunden der Soldaten- und Reservistenkameradschaft Gallmersgarten-Steinach- Endsee erhalten und gepflegt, zur Mahnung für Frieden und Freiheit und in Erinnerung an einen 17jährigen Jungen, der sein Leben nie leben durfte. *** 

Dieses Grab suchte ich auf, mit meiner Kerze; und ich hatte auch selbstgebackenes Brot dabei, das ich am Lagerfeuer hatte essen wollen; eine gute Freundin hatte es mir gegeben gehabt. Von diesem schnitt ich eine Scheibe ab und aß davon. Den anderen Teil der Scheibe Brot legte ich neben die brennende Kerze aufs Grab.

So habe ich am 1. Advent dem, der für unser Deutsches Volk kämpfend vor 75 Jahren als Junge mit nur 17 Jahren fiel, ein Licht, eine Kerze aufs Gedenkgrab gestellt – eine Kerze, die vorher an einer schönen Stelle an einem Waldbach brannte – und habe mit ihm Brot geteilt. *** Beim Soldatenfriedhof in Treuchtlingen, auf den die sterblichen Überreste Konrad Treibers umgebettet wurden, handelt es sich um die Kriegsgräberstätte Nagelberg, über welche ich im vergangenen Jahr ein Video gemacht hatte:

Gerd Ittner 29. November 2020