Haben Sie es schon bemerkt? Sie werden gerade geschächtet! Wir alle werden gerade geschächtet, aber eben auch Sie – ganz persönlich. Sie werden gerade entlebt. Die Entlebung geht der Entleibung voraus. Doch ist Letztere im Vergleich zur Ersteren geradezu eine Wohltat, eine Erlösung. Ihre Entlebung vollzieht sich Stück um Stück. Scheibchenweise wird Ihnen Ihr Leben entzogen, Ihre Lebenssubstanz – Ihr Lebenssaft gewissermaßen. Scheibchenweise – Schnitt um Schnitt – werden Sie ums Leben gebracht, um Ihr Leben gebracht (ein Hochgenuss übrigens für jeden Folterer, die Qualen seines Opfers diesem möglichst lange spürbar zu machen). Ihre Schächtung nämlich erleben Sie bei vollem Bewußtsein – wie sich das gehört. Betäubungsmittel werden Ihnen längst Stück um Stück entzogen: Brot und Spiele beispielsweise sowie menschliche Nähe – und auch mit dem Alkohol wird es mittlerweile da und dort schwierig … Das Schlachtvieh – und zu dem gehören Sie nun mal, wie auch ich – das Schlachtvieh wird vor der Schächtung individuell beruhigt, so haben wir es neulich in der werbenden Berichterstattung über ein hier in Franken gelegenes nordafrikanisches Halal-Lokal gelernt. Für Sie persönlich hört sich das dann so an: „Das geschieht alles um Ihrer Gesundheit willen. Das geschieht alles zu Ihrem Schutze. Das geschieht alles für Ihre Sicherheit!“ Das hier gehört zu den Beruhigungsmitteln – und ist gleichzeitig eines der Schächtinstrumente. Ein geniales noch dazu, denn damit entziehen Sie sich selbst Ihr Leben. Damit entleben Sie sich selbst. Es muß sich noch nicht einmal jemand die Finger an Ihrer Lebendigkeit schmutzig machen. Das erledigen Sie brav selber. Damit stimmen Sie Ihrer Schächtung zu – und auch denen, die sie angeordnet haben. Sie werden fragen: „Wer tut denn so etwas? Wer will mir denn das Leben rauben? Wer hat ein Interesse daran, mir meine Lebendigkeit zu entziehen?“ Die Antwort darauf finden Sie ganz von selbst; so viel Bewußtsein ist Ihnen ja noch geblieben. Ein kleiner Hinweis dazu: Überlegen Sie einfach, wen Sie unter keinen Umständen kritisieren dürfen – oder auch nur benennen! Wenn Ihnen hier jemand einfällt, dann wissen Sie, wer die Schächtmesser in Händen hält und schon immer in Händen hatte. Und noch etwas: Warum spreche ich gerade heute von Ihrer Schächtung – heute, am 16. Oktober? Nicht etwa deshalb, weil heute mein Vater Friedrich Geburtstag hat; 89 wäre er heute geworden. Sein Leben indes endete bereits mit 66 – wo es doch dem Schlager nach erst anfängt … Doch ich schweife ab. Bleiben wir beim Thema: Sie werden gerade geschächtet. Noch geschieht dieses Schächten für Sie persönlich hoffentlich blutfrei – noch. Bald kann das anderswerden – und für viele ist es das ja auch bereits geworden. Da und dort stechen und stachen die Klingen bereits in die Körper – und vor allem in die Hälse – ihrer Schlachtopfer. In großem Stile jedoch sind die Instrumente feiner. Da genügt dann schon ein Fetzen Stoff oder eine Spritze. Da genügt dann schon eine Verordnung oder die Androhung von Bußgeld. Und schon bluten Sie. Und schon fließt Ihr Leben weg von Ihnen. Und schon lassen Sie es fließen – weil es im Strom fließen zu lassen einfacher ist, als im Widerstand daran festzuhalten. An all diesen Tatsachen ändert diese Botschaft hier rein gar nichts. Vielleicht aber ändert sie das Eine: Daß Sie es nun wissen, was eigentlich geschieht. Daß Sie es nun wissen, was mit Ihnen geschieht. Ja: Sie werden gerade geschächtet – und die Schächter sind mitten unter uns!

DerNuernbergerHerold